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10.06.2022 - 19.06.2022
Vernissage: 11.06.2022
Ausstellungsdauer: 10.06.2022 - 19.06.2022
Künstlerin: Ingrid Neuwirth
Kuratorin:
Mag.art Ewa Zasada &
Mag.art. Pawel Mendrek
Am 11. Juni wird in der Spitalskirche Perchtoldsdorf eine Ausstellung mit Werken Ingrid Neuwirths eröffnet. Sie bietet einen umfassenden Einblick ins Schaffen der im vergangenen Jahr verstorbenen Perchtoldsdorfer Künstlerin - und ins Wesen der Kunst an sich.
Den "Mann, der alles wissen wollte" nennt man den großen Leonardo. Und genau das soll es auch sein, was einen Künstler auszeichnet. Die unendliche Neugier, die Bereitschaft, entdecken zu wollen, andere, unverbrauchte Wege des Ausdrucks zu finden. Immer und immer wieder, auf immer andere, neue Art.
Und nein, kein Künstler muss sich dabei qualitativ mit einem der größten aller Zeiten vergleichen lassen, darum geht es nicht. Es geht einzig und allein darum, wie heiß diese Neugier brennt. Wie offen man ist für neue Techniken, Materialien, ästhetische Ansätze. Koloman Moser etwa war auch einer dieser ewig neugierigen oder Oskar Schlemmer ...
Ingrid Neuwirth wurde 1944 im mecklenburg-vorpommerischen Mentin geboren, ging auf die "Höhere Töchter Schule" in Zürich und besuchte schließlich, als ihr Vater, ein Pilot, einen Posten bei der damals gerade neu gegründeten Austrian Airlines annahm, in den frühen 1960ern die Modeschule Hetzendorf.
So weit, so behütet. Aber schon ihr Diplom in der Strickklasse von Hetzendorf sollte sie später auch für ihre künstlerischen Visionen nutzen. Ebenso wie ihre frühen grafischen Arbeiten, ihre Expertise in verschiedenen Druckmethoden, die sie sich über die Jahre angeeignet hat, aber auch Bildhauerei, die klassische Arbeit mit Marmor, deren Kenntnis sie in der toskanischen Hochburg Azzano vertiefen konnte. Malerei? Natürlich, Aquarell, Eitempera, Rohrfeder, Fresko- und Secco-Wandmalereien - Ingrid Neuwirth hatte ein tief verwurzeltes Bedürfnis, sich möglichst sämtliche Techniken anzueignen, die es ihr ermöglichten, sich künstlerisch auszudrücken.
Im Jahr 2007 entwarf Ingrid Neuwirth die Bühnenbilder und die Kostüme für die gefeierte Uraufführung der Oper "Tarot" des armenischen Komponisten Juri Geworkian, eines Schülers von Aram Khatschaturian, dessen Talent schon den legendären Schostakowitsch beeindruckt hatte. Natürlich in ihrem geliebten Perchtoldsdorf, der Wahlheimat ihres Schwiegervaters, des Kunsthistorikers, Dichters und Philosophen Walter Maria Neuwirth.
Marmor, Metall, Papier, Stoffe unterschiedlichster Art - nichts war Ingrid Neuwirth fremd, alles war für sie Leidenschaft. Egal, ob sie eine Plexiglas-Installation über vier Stockwerke im Stiegenhaus des Otto Wagner Spitals Steinhof schuf oder Serigrafie-Objekte als Hommage an Christoph Willibald Gluck im Mödlinger Knappenhof, spektakuläre Kunstglasobjekte oder feinste Radierungen.
Ab Freitag, 10. Juni, wird Ingrid Neuwirth in einer umfassenden Werkschau in der Spitalskirche Perchtoldsdorf gewürdigt. Die Vernissage findet am 11. Juni um 15 Uhr statt, um 19 Uhr gibt's ein Konzert des Chors Salto Vocale. Zu sehen gibt's viele ihrer jüngeren Arbeiten, und allein der goldgelb strahlende Himmel ihrer "Donaulandschaft" (Radierung, 2018) wäre ansich schon einen Besuch wert. Als filigraner Kontrast dazu die zarte "Aussicht auf Wien" (Radierung 1996), dazu beinahe mystische Serigraphien wie "Damals" (1998/2018), ornamentale "Natur"-Drucke (2019) und natürlich immer wieder "ihr" Perchtoldsdorf ...
Beeindruckende Lebenswerke einer Frau, die alles wissen wollte.
„Enthusiasmus“ Ingrid Neuwirth – Bilder einer ewig Neugierigen
TEXT: Andreas Bovelino/ „Freizeit“ Kurier